Über Sekten

Benötigen Sie Unterstützung? Eine Checkliste

Nicht wenige Aussteiger aus Sekten benötigen Hilfe - unabhängig davon, ob sie sich aus eigener Kraft gelöst, Ausstiegshilfe benötigt haben, oder ob sie von der Sekte hinausgeworfen wurden. Im Folgenden werden typische Symptome und Probleme aufgeführt, die einen Sektenausstieg in der Regel begleiten.

Die Intensität der hier beschriebenen Probleme kann individuell variieren.

Beobachtungen an sich selbst:

  • Ja oder Nein? Floating. Das sind sog. "Flashbacks" zurück in die Denkweise, die Gefühlswelt und den Kontext der jeweiligen Sekte.
  • Ja oder Nein? Das Gefühl, überflüssig und wertlos zu sein, nicht gebraucht zu werden. Aussteiger haben eine Gruppe verlassen, in der sie "wichtige" Aufgaben und Ziele zu erfüllen hatten, die sie in ständiger Aktivität hielten. Sie vermissen die Gipfelerlebnisse und den Antrieb, die durch die Intensität der Gruppendynamik hervorgerufen wurden.
  • Ja oder Nein? Perspektivlosigkeit. Aussteiger wissen nach ihrem Austritt nicht, was sie in "dieser" Welt wollen und sollen. Es müssen oft mühsam neue, diesmal eigene Zukunftsperspektiven erarbeitet werden.
  • Ja oder Nein? Verlegenheit. Das ist eine Auswirkung der Unfähigkeit, über ihre Sektenerfahrungen zu sprechen; zu erklären, wie und warum sie einer Sekte beigetreten sind, und was sie während der ganzen Zeit dort gemacht haben. Eine gewissen Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen oder beruflichen Situationen geht ihnen dadurch verloren.
  • Ja oder Nein? Schuldgefühle. Zum einen fühlen sich Aussteiger schuldig, überhaupt der Gruppierung beigetreten zu sein und später selbst Menschen rekrutiert zu haben. Zum anderen schämen sie sich für die Dinge, die sie während ihrer Mitgliedschaft getan haben.
  • Ja oder Nein? Sorge um die zurückgebliebenen Gruppenmitglieder und evtl. Angehörigen und Trauer um den Verlust der Gemeinschaft. Trauer auch um den Verlust des sinnvoll erlebten Engagement für "große" Aufgaben und hohe Ziele, z.B. Einsatz für den Weltfrieden oder das baldige Gottesreich.
  • Ja oder Nein? Misstrauen gegenüber ihrer sozialen Umgebung, gegen organisierte Religion und Organisationen generell. Dies beinhaltet aber auch Misstrauen gegenüber ihren eigenen Fähigkeiten, wahrzunehmen, ob und wann sie erneut manipuliert werden.
  • Ja oder Nein? Isolationsempfindungen. Aussteiger haben oft das Gefühl, dass keiner verstehen kann, was sie durchgemacht haben. Dies bezieht sich besonders auf ihre Familien.
  • Ja oder Nein? Die Tendenz, nur in "Schwarz und Weiß", in Extremen zu denken, wie es in der Sekte üblich war. Aussteiger müssen erneut lernen, auch Grautöne und Farben wahrzunehmen, um der Komplexität des Daseins gerecht werden zu können.
  • Ja oder Nein? Unfähigkeit eigene Entscheidungen zu treffen. Der Verlust der Selbstbestimmung in derartigen Organisationen führt oft zu einer Entscheidungsunfähigkeit. Dieses Unvermögen ist ein Beleg für die Abhängigkeit und Unselbstständigkeit, die in der Sekte gefördert wurde.
  • Ja oder Nein? Kommunikationsstörungen. Diese entstehen vor allem durch die in der Sekte eingesetzte Technik der "Manipulation der Sprache", die bewirkt, dass Sektenerfahrungen nur in der jeweiligen sektenspezifischen Sprache verbalisiert werden können und somit von Nichtmitgliedern nicht verstanden werden.
  • Ja oder Nein? Entfremdungsgefühle gegenüber früheren Freunden und der eigenen Familie aufgrund der für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Sektenerfahrung und den o.g. Kommunikationsstörungen.
  • Ja oder Nein? Alles wird "spiritualisiert". Diese Verhaltensweise hält manchmal recht lange an. Aussteiger sollten darin ermutigt werden, nach logischen Erklärungen für Ereignisse und Erlebnisse zu suchen, um ihre irrationale, oft "magische" Denkweise loslassen zu können.
  • Ja oder Nein? Schwaches Selbstvertrauen, geringe Selbstachtung. Das resultiert aus ihren Sektenerfahrungen, in denen sie als nutzlos, schuldig und schwach dargestellt wurden. Sie trauen sich kaum zu, eine eigene Meinung zu äußern. Dies ist die Auswirkung des gezielten manipulativen Einsatzes von Lob und Tadel in der Sekte.
  • Ja oder Nein? Abhängigkeit und Gefahr der "Abhängigkeitsverlagerung". Oft versuchen Aussteiger die Leidensphase nach dem Sektenausstieg abzukürzen, indem sie sich z.B. vorschnell in eine Partnerschaft begeben, oder sich einer neuen Religionsgemeinschaft anschließen.
  • Ja oder Nein? Probleme mit der Sexualität, aufgrund der übernommenen, häufig verquasten Lehre und Verhaltensweise der Sekte.
  • Ja oder Nein? Furcht und Angst davor, dass das, was die jeweilige Sekte im Falle eines Ausstiegs an schlimmen Konsequenzen prophezeit hat, auch tatsächlich eintreten wird. Sie haben das Gefühl, versagt zu haben und deshalb (von Gott, Satan, Geistern, Dämonen) bestraft werden zu müssen. Angst auch davor, "verrückt zu werden". Dies ist besonders häufig nach "Floatingerfahrungen".
  • Ja oder Nein? Religiöse Angstsymptome. Einige Aussteiger erleben Halluzinationen und hören Stimmen, die als "Zeichen und Wunder" verstanden und je nach persönlicher Situation interpretiert werden.
  • Ja oder Nein? Wut und Ärger gegenüber der Gruppe und/oder gegenüber dem Sektenführer. Nicht selten richten sie diese Wut auch gegen sich selbst.
  • Ja oder Nein? Dissoziationen. In diesen Phasen befindet sich der Aussteiger nicht mehr in Kontakt mit der Realität oder den ihn umgebenden Personen. Er ist dann unfähig zu kommunizieren. Auf Außenstehende wirkt er wie jemand, der "ganz weit weg, ganz woanders ist".
  • Ja oder Nein? Depressionen, Schlafstörungen und Alpträume sind Folge von nicht verarbeitetem Denken und Handeln während des Aufenthalts in der Sekte.
  • Ja oder Nein? Spirituelle und philosophische Fragen/Probleme. Die Weltanschauung und die Werte der jeweiligen Sekte haben sich als nicht tragfähig erwiesen. Eine neue, eigene Wertewelt muss gefunden werden.

Die Folge dieser Symptome ist häufig ein Zustand der Desorientierung, der zu ernsthaften psychischen, sozialen und gesundheitlichen Problemen führen kann. Bundesweit sind nur wenige Helfer in der Lage, beispielsweise die angesprochenen Kommunikationssperren durch Kenntnis der jeweiligen Sektensprache, der Begrifflichkeiten und der Denkweisen zu überwinden und somit zu helfen, die Desorientierung zu überwinden.

Die üblichen Beratungsstellen sind mit dieser Problematik überfordert. Entscheidend ist aber die sofortige Hilfe, da andernfalls die soziale und berufliche Reintegration für Aussteiger ein langfristiges multiples Problemfeld darstellt. Durch kompetente psychosoziale Unterstützung kann diese Desorientierung aufgefangen und verarbeitet werden. Wiedereingliederung in Schule und Beruf gelingen leichter mit professioneller Hilfe.

Aussteiger sind nicht krank, aber sie bedürfen in der Regel einer speziellen Hilfe.

Quelle: Odenwälder Wohnhof e.V.

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Modewelle Parapsychologie?

Durch die nicht abebbende Okkultismuswelle hervorgerufen und den mangelnden Informationsstand über die Ergebnisse wissenschaftlicher Parapsychologie bedingt, kleiden manche psychisch Kranke (aber zuweilen auch deren medizinische oder psychologische BetreuerInnen oder Bezugspersonen) ihre Erlebnisinhalte zunehmend in eine mißverstandene, vermeintlich "parapsychologische" Terminologie ein.

So wird von Personen, die an einer Wahnerkrankung leiden, heute häufiger zu hören sein, daß sie "telepathisch verfolgt" würden, während früher eher von "Beeinflussung durch Radarwellen" die Rede war. Merkwürdigerweise werden solche Patienten manchmal von psychiatrischen Stellen an die Parapsychologische Beratungsstelle verwiesen.

Viel häufiger ist dagegen, daß - ebenfalls wieder von Laien und Fachpersonal - "Ungewöhnliche menschliche Erfahrungen" (UME) oder sogenannte "Spontane Paranormale Erfahrungen" (SPE) als Anzeichen für eine psychische Erkrankung fehlinterpretiert werden.

Es ist offensichtlich, daß eine eindeutige Zuordnung subjektiver Erfahrungen, die den gegenwärtig akzeptierten naturwissenschaftlichen Paradigmen zu widersprechen scheinen, zum Bereich des Paranormalen bzw. des Psychopathologischen im Einzelfall sehr schwierig sein kann und eine langjährige fachliche Erfahrung voraussetzt - so sind z.B. die im "DSM-IV" (einem psychiatrischen Klassifikationsschema) aufgeführten Klassifikationskategorien in dieser Hinsicht wenig brauchbar. Dennoch kann man sagen, daß SPE im allgemeinen spontan und eher selten auftreten, psychopathologische Erfahrungen hingegen sich oft durch ihre Persistenz auszeichnen.

Besonders risikoreich scheinen okkulte Praktiken vor allem dann zu sein, wenn sie nicht aus "Neugierde" oder "Wissensdurst" - wie bei den meisten Jugendlichen -, sondern zur Lösung von anstehenden (persönlichen) Problemen verwendet werden. Dabei kann es nicht nur zu einem (sozial) unangepaßten Problemlösungsverhalten (z.B. falsche, unrealistische Erwartungen, Befürchtungen oder Reaktionsweisen) kommen, sondern auch zu einem sich zirkulär verstärkenden Realitätsverlust, wie z.B. einer übersteigerten Ich-Aufblähung oder auch einem Selbstwertverlust. Dabei spielen SPE für die Betroffenen oft eine nicht zu unterschätzende Rolle (vgl. Lucadou 1991, Lucadou, Poser 1997).

Leider fehlt in bezug auf die Betreuung von SPE-Fällen eine systematische Forschung fast vollständig, so daß es auch kaum erprobte Therapiekonzepte für die Praxis gibt; die meiste Literatur ist qualitativ und phänomenologisch orientiert (vgl. Bender 1959, 1979). Allerdings steht bei der Beratung Betroffener der aufklärende, informierende Aspekt - im Sinne einer "positivistischen" Wissenschaftsauffassung - nicht notwendigerweise im Vordergrund. Ausgehend von neuesten Forschungsergebnissen der Parapsychologie (vgl. Lucadou 1990, 1991, 1992a), wurde ein Beratungskonzept entwickelt, das weitgehend "ideologie-invariant" ist und es daher erlaubt, persönliche "Belief-Systeme" positiv in die Verarbeitung "paranormaler" Erfahrungen zu integrieren. (Es ist z.B. sinnlos, einem überzeugten Spiritisten zu erklären, daß seine "Geister" "innerpsychische Repräsentationen kognitiver Strukturen" sind; man kann aber durchaus "spiritistisch" argumentieren, wenn man Fehlentwicklungen verhindern will, indem man z.B. klar macht, daß die "Geister" es nicht mögen, wenn man ihnen dauernd nachspürt.)

Angesichts einer zunehmend kritischen Haltung gegenüber den "Segnungen der Wissenschaft" und einer Ausuferung "alternativer" Welt- und Lebensmodelle im Zuge der "New Age"-Mode in breiten Schichten der Bevölkerung scheint eine "flexible response" wesentlich erfolgreicher zu sein als "Interventionsstrategien", die lediglich eine Rückkehr zu den "herrschenden Paradigmen" anstreben.

Bei diesem Beratungskonzept geht es vor allem darum, die systemtheoretische Struktur "paranormaler" und (damit verbundener) "normaler" psychologischer Prozesse in die Sprache der Betroffenen zu "übersetzen", um diesen die Möglichkeit zu geben, die Vorgänge von ihrem Standpunkt aus zu verstehen und sich schließlich selbst zu helfen. Dabei können durchaus praktische Ratschläge gegeben werden, z.B. wie Spuk-Phänomene zum Verschwinden gebracht werden können oder wie man mit "spiritistischen Botschaften" umgeht.

Insbesondere über die Behauptungen bestimmter Psychosekten (z.B. der Scientology-Sekte), sie verfügten über wirksame Psychotechniken zur Aktivierung und Erlernung "übermenschlicher" Fähigkeiten, können mit recht hoher Sicherheit Aussagen gemacht werden: Wegen der inhärenten Spontanität und des dynamischen Charakters paranormaler Erfahrungen können diese während der Erlernung bestimmter Psychotechniken (z.B. dem "Auditing") bisweilen durchaus erfahren werden. Die scheinbaren "übersinnlichen Fähigkeiten" versagen aber gerade in dem Augenblick, da sie zielgerichtet eingesetzt werden sollen. Dieser Sachverhalt wird von den Psychosekten und meist auch von den Betroffenen als Mangel beim Erreichen des Lernziels interpretiert (vgl. Lucadou 1992c, 1993, 1994). Daraus wird gefolgert, daß weitere "Kurse" zur Erlangung des angestrebten Zieles erforderlich seien. Auf diese Weise kommt es häufig zur psychischen Abhängigkeit, so daß von einem regelrechten "Suchtverhalten" gesprochen werden kann.

Ein weiteres spezifisches Beratungsproblem bei guruistisch geführten Psychosekten stellt die "Ablösereaktion" dar, die ehemalige Mitglieder (Aussteiger) solcher Sekten zeigen. Es handelt sich dabei um ein Syndrom, das von Verfolgungsvorstellungen bis hin zu psychosomatischen Reaktionen und SPE reicht. Hier ist große Erfahrung zur realistischen Einschätzung von erfahrenen Bedrohungen unabdingbar.

Im Gegensatz zu vorhandenen kirchlichen Sekten- und Weltanschaungseinrichtungen ist es nicht die Aufgabe der parapsychologischen Beratungsstelle weltanschauliche oder religiöse Positionen zu vertreten. Die Beratungsstelle ist vielmehr eine wissenschaftliche Dienstleistung - vergleichbar mit einer Verbraucherberatung - die Wirkungen und Gefahren von Angeboten auf dem Psycho-, Religions- und Weltanschauungsmarkt kritisch vergleicht, wenn möglich auf seine Wirksamkeit, sein Preis-Leistungsverhältnis, seine Risiken und Nebenwirkungen hin untersucht und entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse auswertet, aufbereitet und an die Ratsuchenden weitergibt.

Bei ungewöhnlichen oder "paranormalen" menschlichen Erfahrungen (UME) ist es außerdem die Aufgabe der Beratungsstelle abzuklären, welche vorhandenen konventionellen Hilfseinrichtungen in Anspruch genommen werden können und mit diesen zusammenzuarbeiten. Fachlich spezialisierte Hilfseinrichtungen wie Krisentelephone, ärztlicher Notdienst, Telephonseelsorge aber auch Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk sind häufig angesicht der Ungewöhnlichkeit der Erlebnisse überfordert und nicht in der Lage, die Situation auf ihre Fachbezogenheit und Relevanz einzuschätzen. So ist es ohne spezifische Fachkenntnis (z.B. bei Spukberichten) nicht möglich zu entscheiden, ob es sich dabei um eine technische Störung, ein psychologisches, medizinisches oder gar um ein forensisches Problem handelt.

Da der Staat verpflichtet ist, für die körperliche und damit auch für die psychische Unversehrtheit und Sicherheit seiner Bürger Sorge zu tragen, muß er auch ein adäquates Hilfsangebot für ungewöhnliche Fälle zur Verfügung stellen. Die Inanspruchnahme der Beratungsstelle zeigt deutlich, daß das vorhandene Angebot absolut unzureichend ist und Bürger nicht ausreichend vor den Auswirkungen des Psychomarktes und den Folgen der Unkenntnis in diesem Bereich geschützt sind. Es wäre in höchstem Maße unverantwortlich, die Folgen einer mangelnden Forschungsförderung auf diesem Gebiet (vgl. Petition 9/4394 an den Landtag von Baden-Württemberg. 1. November 1986) durch ein mangelndes Hilfsangebot zu verschärfen. Die Kosten, die der Gesellschaft aus dieser Situation entstehen, übersteigen die Kosten einer adäquaten Hilfseinrichtung um ein Vielfaches. Angesichts der Zunahme psychischer Probleme in der Bevölkerung ist mit einer Verschärfung der Situation in den nächsten Jahren zu rechnen. Eine sich immer mehr abzeichnende Tendenz zu fundamentalistischen Weltanschauungen kann schießlich auch zu politischen Instabilitäten beitragen. Eine entsprechende Prävention muß daher auf größere Zeiträume konzipiert werden.

Quelle: WGFP

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Was jeder Zeuge Jehovas wissen sollte!

Jede Sekte versucht nach Kräften, das zu kontrollieren, was ihre Mitglieder lesen, hören und sehen dürfen. Die Zeugen Jehovas sind da keine Ausnahme.

Was ihre Dogmen unterstützt, wird gerne zitiert und als wissenschaftlicher Beweis für ihr Verständnis von "Wahrheit" genommen. Alles andere wird als "weltliche Literatur" diffamiert und als wertlos angesehen. Sechs hochinteressante Dokumentationen zeigen glasklar, wie die Wachtturm-Gesellschaft ihre Mitglieder belügt.

Was die Mitglieder wissen sollen, steht im Wachtturm. Was sie nicht wissen dürfen steht da, wo sie sich eigentlich nicht aufhalten sollten. Zum Beispiel im Internet. Was erklärt, weshalb die Wachtturm-Gesellschaft so vehement gegen dieses allgegenwärtige Medium wettert und nicht müde wird, auf dessen "Gefahren" hinzuweisen. Wobei wohl nur wenigen Zeugen Jehovas bewusst ist, dass nicht sie in Gefahr sind, sondern die Wachtturm-Gesellschaft. Denn wer sich im weltweiten Web auf die Suche nach Informationen macht, wird schnell merken, dass sich hinter der religiösen Fassade der Wachtturm-Gesellschaft Dinge verbergen, die der treue Zeuge nie für möglich gehalten hätte.

Die Wachtturm-Gesellschaft...

Quelle: Netzwerk Sektenausstieg e.V.

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Scientology

Der 65jährige Rentner Gustav R. plagt sich seit Jahren mit Kopfschmerzen herum. Die Ärzte konnten ihm nicht helfen. Die "moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" scheint eine Alternative zu sein. Das "Beratungsgespräch" an einer Art Lügendetektor scheint zunächst zu helfen. Gerne zahlt Gustav R. 450 Mark für die Stunde.

Der 16jährige Schüler Frank ist von der Anzeige fasziniert: "Gemäß Albert Einstein nützen wir Alltagsmenschen nur zehn Prozent unseres wahren geistigen Potentials" heißt es da. Lässt sich etwa das Gehirn so optimieren wie die Festplatte eines Computers? Die Anzeige jedenfalls lässt diesen Schluss zu.

Die 25jährige Studentin der Betriebswirtschaft Claudia T. wird auf der Straße für ein Seminar der Akademie für Management und Kommunikation angesprochen. Das Angebot hört sich Erfolg versprechend an.

Ob Schüler, Studentin oder Rentner, sie alle kommen mit einer "Technik" in Berührung, die auf den ehemaligen Science-fiction Autor L. Ron Hubbard zurückgeht. Danach kann jeder Mensch klar/frei werden, wenn er die "Brücke zur völligen Freiheit" überschreitet. Diese Brücke ist ein abgestuftes Kurssystem. Am Ende soll eine Art "Übermensch" stehen. Und so ist schon der Name für den allumfassenden Anspruch kennzeichnend: Scientology soll soviel bedeuten wie das Wissen vom Wissen. Nach Meinung vieler Kritiker ist Scientology keine Religionsgemeinschaft, eher ein multinationaler Psychokonzern. Allerdings wird dem Unternehmen nicht nur das Streben nach Gewinn unterstellt, sondern es heißt, Scientology wolle Herrschaft ausüben. Der Ex-Scientologe Norbert Potthoff ist davon überzeugt, dass Scientology Deutschland vollständig unter ihre Kontrolle bringen wolle. Die unzähligen Firmen und scheinbar sozialen Einrichtungen dienten diesem Zweck.

Für den Politikwissenschaftler Hans Gerd Jaschke handelt es sich bei Scientology um "eine neuartige Form des politischen Extremismus". Bei einem griechischen Ableger des Psychokonzerns entdeckte man im Herbst 1996 Aktenbände mit einer Liste von 2.500 Personen. Über sie wurden - gesetzwidrig - Dossiers angelegt. Da Scientology als internationaler Konzern keine nationalen Eigenwege kennt, werden solche "schwarzen Listen" auch in Deutschland vermutet.

Thema: Scientology in der Wirtschaft

Mitten in der Hektik einer Fußgängerzone wirbt ein charmant-dynamisches Trio. Man vermutet auf den ersten Blick Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Umfrageinstituten. Doch die Umfrage entpuppt sich als Einladung zu einem Managementseminar. Warum sollte man nicht unverbindlich und kostenlos einen Tag in der "Akademie für Management und Kommunikation" verbringen?

Trotz großer Aufklärung finden diese Werber immer wieder Menschen, die nichts ahnend zu dieser so genannten Akademie kommen. In Wahrheit ist dieses Schulungsunternehmen ein Zulieferbetrieb für Scientology. "Der Kurs 'Erfolg durch Kommunikation' bringt Ihnen 18 wesentliche Fertigkeiten bei, die die Kommunikation in Ihrem Geschäft und in Ihrer Gesellschaft unter Ihre Kontrolle bringt". Mit solchen Versprechen wird gelockt und geködert. Am Ende steht dann der bekannte, zweihundert Fragen umfassende Persönlichkeitstest. Scientology hat eigens eine Organisation gegründet, um Einfluss auf die Wirtschaft auszuüben. Das "World Institut of Scientology Enterprises" (WISE) dient der Verbreitung der Technologie des Sektengründers L. Ron Hubbard. Scientologische "Ethik und Vernunft" soll in die Wirtschaft hineingetragen werden. Zur Zeit zählt WISE dem Vernehmen nach etwa 3.000 Mitglieder weltweit. Firmen oder Einzelunternehmen können Mitglied werden. In den meisten Fällen ist der Scientology-Hintergrund nicht zu erkennen. Häufig wechseln die Namen der Firmen.

WISE-Unternehmer verpflichten sich, ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen scientologischen Prinzipien zuzuführen. Hinzu kommt, dass zwischen fünf und achtzehn Prozent des Bruttoumsatzes an WISE gezahlt werden sollen. Die Scientology-Kenner Angelika Christ und Steven Goldner warnen: "Das Ziel ist, die Verwaltungstechnologie von L.Ron Hubbard im entsprechenden Betrieb einzuführen und Empfehlungen für weitere Scientology-Angebote auszusprechen. Über diese Schiene können zum Beispiel WISE-Managementschulungen, WISE-Fortbildungen, WISE-Firmen als externe Berater zu Umstrukturierungen, Expansion und Steuerberatung etc. eingeschleust werden." Tatsächlich will man, wie es in einer anderen Anordnung heißt, die "Schlüsselpositionen" erobern. Von besonderem Interesse sind dabei alle Positionen im Personalbereich. Viele WISE-Mitglieder betätigen sich in der Personal- und Managementschulung, denn hier können sie das Menschenbild von Scientology weitergeben. Ebenfalls finden sich überdurchschnittlich viele Scientologen in den Geschäftsbereichen, in denen es, wie beispielsweise im Immobiliengeschäft, um hohe Umsätze und große Verdienstspannen geht.

"Erobern Sie, egal wie, die Schlüsselposition, die Position als Vorsitzende des Frauenverbandes, als Personalchef einer Firma, als Leiter eines guten Orchesters, als Sekretärin des Direktors, als Berater der Gewerkschaft - irgendeine Schlüsselposition. Verdienen Sie sich einen ordentlichen Lebensunterhalt damit, fahren Sie einen guten Wagen, aber bringen Sie Ihre Aufgabe über die Bühne, handhaben und verbessern Sie die Leute, denen Sie begegnen, und schaffen Sie eine bessere Welt." (Scientology-Anweisung)

Hintergrundinformation:

Gründer: L. Ron Hubbard (1911-1986) Gliederungen: Church (Kirche), ABLE (Schule, Ausbildung, soziale Bereiche), WISE (Wirtschaft, Managementtraining, Geldverkehr)
Mitglieder: weltweit angeblich mehrere Millionen, in Deutschland ca. 7.000
Große Zentren: Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, München

Quelle: SINUS e.V.

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